Hunde und Katzen tiergerecht kaufen

Wer sich eine Katze oder einen Hund als Haustier anschafft oder jemandem schenken möchte, sollte ein paar Informationen einholen, um gut auf den neuen Hausgenossen vorbereitet zu sein. Beim Kauf von Jungtieren ist dies besonders wichtig, da in diesem Sektor ein tierquälerischer Handel mit Tieren aus Osteuropa besteht.

So kuschelig und putzig kleine Jungtiere auch aussehen, wenn sie in Tiergeschäften, auf Messen oder Märkten ausgestellt sind, so tragisch ist oft das Schicksal dieser kleinen Kreaturen. Sie werden irgendwo in Osteuropa "gezüchtet", dem Muttertier nach wenigen Wochen weggenommen und auf den Markt gebracht.
Der Transport von den Ostländern nach Italien erfolgt in Kartons oder Schachteln, im Dunkeln, ohne Wasser, Nahrung, Luft, in eisiger Kälte im Winter, in glühender Hitze im Sommer.

Laut Fachliteratur werden auf diese Weise im Jahr an die 50.000 Tiere nach Italien importiert. Viele der Kleinen überleben diesen Transport nicht. Doch die Gewinnspannen für die Überlebenden sind so groß, dass die Händler die Verluste in Kauf nehmen.

Für jene Tiere, welche überleben, ist die Tortour jedoch nicht ausgestanden. Häufig erkranken sie, weil sie nicht geimpft sind, an viraler Gastritis, an Parasiten und anderen ansteckenden Krankheiten, oft mit tödlichen Folgen.

Die bestehenden Tierschutzgesetze werden häufig umgangen, da der Handel oft den amtlichen Kontrollen entgeht (Gesetz vom 20.07.04 Nr. 189 zur Tierquälerei, Gesetz Nr. 532 vom 30.12.1993 in Umsetzung einer EU-Richtlinie zum Tiertransport sowie das Landestierschutzgesetz Nr. 9 vom 15. 05. 2000).

Als "Endverbraucher" haben wir die Möglichkeit, diese Machenschaften möglichst nicht zu unterstützen, indem wir beim Kauf umsichtig vorgehen und die richtigen Fragen stellen. Dies ist auch deshalb wichtig, weil immer öfter Tiere kurz nach dem Kauf verenden.

Damit die Tiere aber auch bei uns Zuhause alle Voraussetzungen haben, gesund aufzuwachsen und ein Tierleben lang gesund und fit zu bleiben, muss man als zukünftiger Besitzer ein paar Überlegungen anstellen:

  • Wie viel Zeit kann ich ihm widmen?
  • Wie ist das mit den Kindern? Sind sie alt genug für ein Haustier?
  • Gibt es einen Garten als Auslauf?
  • Ist er eingezäunt, damit es keine Probleme mit den Nachbarn gibt?
  • Ist mir klar, dass ich mich die nächsten 15 Jahre für das Tier verpflichte?
  • Hab ich im Tierheim nachgefragt, ob ein geeignetes Tier abzuholen wäre, bevor ich mich an eine Tierhandlung wende?

Die richtige Rasse ist gefragt

Erkundigen Sie sich nach der geeigneten Rasse für Ihre spezielle Situation. Lassen Sie sich nicht nur von ästhetischen Ansprüchen leiten.
Ein Tierarzt ist der richtige Ansprechpartner für Fragen wie:
  • Welche Eigenarten hat die Rasse?
  • Welche Ansprüche stellt sie?
  • Was kostet die Ernährung des Tieres?

Verantwortungsvolle Züchter stellen Fragen

Wenn Sie im Tierheim auch nach mehrmaliger Nachfrage nichts Passendes gefunden haben sollten, wenden Sie sich an einen professionellen Züchter. Er zeichnet sich auch dadurch aus, dass er Fragen stellt, die auch Sie sich bereits gestellt haben sollten. Außerdem wird er Ihnen anbieten, auch nach dem Kauf noch mit Ihnen in Kontakt zu bleiben, um eventuell auftretende Fragen klären zu können.

Unprofessionelle Züchter sind zu meiden

Beim Kauf von Jungtieren sollte man unbedingt die Mutter des Tieres kennenlernen dürfen, nach Möglichkeit auch den Vater. Die Charaktere der Eltern, besonders der Mütter, können Aufschluss über jene der Jungtiere geben. Wenn der Züchter den Zugang zu den Zuchtanlagen und zu den Tieren verwehrt, dann sollte man bei ihm kein Tier kaufen...

Hunde und Katzen nie auf Musterschauen, Märkten oder Messen kaufen!

Ansteckende Krankheiten vermehren sich bei diesen Gelegenheiten besonders leicht, weil die Tiere in engen Kontakt mit anderen kommen.
Wenn ein junges Tier unbedingt in einer Tierhandlung gekauft werden muss, dann ist nach den genauen Daten seiner Herkunft zu fragen. Diese Daten sind zu überprüfen, jeder seriöse Züchter verfügt heute über eine Homepage.
Das Jungtier muss über einen Impfpass verfügen, welcher außer dem Geburtsdatum auch die Vermerke über Behandlungen gegen Parasiten sowie über die von einem Tierarzt vorgenommenen Impfungen aufweist.

Auf keinen Fall sollten Jungtiere gekauft werden, welche vor der 8. Lebenswoche von der Mutter getrennt wurden. Dieses Alter ist unbedingt notwendig, um eine normale psychische Entwicklung des Tieres sicherzustellen.

Im Übrigen gibt es einige äußere Merkmale, an denen man feststellen kann, ob das junge Tier gesund ist und aus einer tiergerechten Aufzucht stammt. Das Tier muss:

  • sauber sein
  • gut genährt sein
  • lebendig und zutraulich sein

Hinweise auf kranke Tiere können sein:

  • schmutzige Näschen
  • schmutzige Ohren
  • tränende Augen
  • Schmutzkrusten auf dem Fell
  • Flöhe

Rassetiere haben einen Stammbaum

Es kommt immer wieder vor, dass die Käufer eines Rassetieres erst nachträglich um das Dokument über den Stammbaum ansuchen. Oft werden sie dafür nachträglich zur Kasse gebeten. Bei Rassetieren muss der Stammbaum aber mitsamt dem Tier ausgehändigt werden. Das Tier erhält ihn samt einer registrierten Nummer gleich nach der Geburt. Mit vier Monaten erhält es zusätzlich eine Tätowierung im Ohr oder auf dem rechten Oberschenkel. Die Geburtsdaten auf dem Stammbaum und auf dem Sanitätsausweis müssen exakt übereinstimmen. Wenn dem nicht so ist, könnte der Stammbaum zu einem anderen Tier gehören. Und schließlich muss das Rassetier in die Stammbücher eingetragen sein. Für den Stammbaum muss daher kein Extrahonorar entrichtet werden.

Es ist auch schon vorgekommen, dass Tiere nicht der versprochenen Rasse angehören. Deshalb ist der Stammbaum und dessen Kontrolle beim Kauf eines Rassetieres unumgägnglich.

Garantie auch für Tiere

Es klingt zwar nicht sehr angebracht, im Zusammenhang mit dem Kauf eines Tieres von Garantierechten zu sprechen. Dennoch hat der Gesetzgeber im Gesetz zum Garantierecht auch einen Artikel zum Kauf von Tieren eingefügt. Im Artikel 1496 des Zivilgesetzbuches heißt es wörtlich: "“Beim Kauf von Tieren wird die Gewährleistung wegen Mängeln von den Sondergesetzen oder, wenn solche fehlen, von den örtlichen Gebräuchen geregelt. Wenn auch diese nichts bestimmen, sind die vorhergehenden Vorschriften zu beachten.“ (Art. 1490 ff. ZGB).

Im Klartext heißt das, dass ein Tier, welches nach dem Kauf erkrankt und zwar nachweislich an einer Krankheit, die bereits vor dem Kauf angelegt war, für dieses Tier dieselben Garantieregeln gelten, wie für den Kauf eines Artikels.

Bürokratische Vorschriften

Nach dem Kauf eines jungen Hundes muss dieser beim Sanitätsbetrieb gemeldet werden. Der Hund wird daraufhin registriert. Die Registrierung kostet 4,50 Euro, dazu kommen 3,60 Euro für den Microchip und weitere 2,70 Euro für dessen Implantation.

Nützliche Adressen

Vor dem Kauf eines (jungen) Tieres kann man bei verschiedenen Einrichtungen Informationen einholen:

Landestierärztlicher Dienst
Bozen, Kaiserau 59, Tel. 0471 635161
Montag - Freitag: 09.00-12.00 / 14.30 - 16.00

Tierheim Sill
Sill 9, Tel. 0471 329800
Montag – Freitag:: 14.30-16.30

Schalter für die Rechte der Tiere
Gumergasse 7, Tel. 0471 997435

Lega Tutela Animali
Dalmazienstraße 25, Tel. 0471 916518

Südtiroler Tierfreundeverein
St. Martin in Passeier, Dr. Hillebrandtweg 5, Tel. 345 1206059


Infoblatt KC45
Stand: 05.2016